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UK ports and customs

Vereinfachte Zollkontrollen im Falle eines harten Brexits

13 Februar 2019

Nun, da die Uhr vor der Frist am 29. März immer lauter tickt, freuen wir uns, Ihnen einige Neuigkeiten mitzuteilen, die inmitten der weiterhin andauernden Brexit-Verhandlungen etwas Klarheit bringen.

Falls Sie es noch nicht gehört haben: Die britische Finanz- und Zollbehörde (HMRC) hat angekündigt, dass die Zollkontrollen im Falle eines „No-Deal-Brexits“ vereinfacht werden. Dadurch sollen der Import erleichtert und größere Störungen an den wichtigen Grenzübergängen des Vereinigten Königreichs vermieden werden. Damit Unternehmen von der neuen Regelung, die unter der Bezeichnung „Vereinfachte Übergangsverfahren (TSP)“ bekannt sind, profitieren können, müssen sie sich ab jetzt (7. Februar) registrieren.

Was wurde angekündigt?

Für den Fall eines No-Deal-Brexits hat die HMRC die Vereinfachten Übergangsverfahren (TSP) für den Zoll erarbeitet, die den Import zunächst für einen Zeitraum von 1 Jahr optimieren werden. Nach der Ankündigung hat die Regierung bereits 145 000 Briefe an Unternehmen verschickt, die derzeit Geschäfte mit der EU machen, um ihnen die Regeln mitzuteilen und sie darüber zu informieren, welche Schritte sie unternehmen müssen, um sich vorzubereiten.

Falls das Vereinigte Königreich die EU ohne eine Vereinbarung verlässt, müssten viele britische Unternehmen, wenn es keine TSP gäbe, im Handel mit der EU dieselben Verfahren anwenden wie der Rest der Welt. Das wäre sowohl kostspielig als auch zeitaufwendig, da die Waren erst vom Zoll freigegeben werden, wenn eine vollständige Einfuhrerklärung abgegeben und der Zoll vollständig entrichtet wurde.

Unternehmen hingegen, die sich für die TSP registrieren, werden ihre Waren aus der EU ins Vereinigte Königreich befördern können, ohne an der Grenze eine vollständige Einfuhrerklärung abgeben zu müssen. Außerdem werden sie die Möglichkeit erhalten, den Zoll später zu entrichten.

Wie funktioniert das?
Die vorgeschlagenen Änderungen bedeuten, dass Importeure die vollständige Zollerklärung erst abgeben müssen, nachdem die Waren die Grenze bereits überquert haben. Die Importeure müssten dann nur eine „vereinfachte Grenzerklärung“ (ein sehr kurzes Zollformular) ausfüllen, zum Beispiel bis spätestens 2 Stunden vor der Überquerung des Ärmelkanals mit der Fähre oder 1 Stunde vor der Durchquerung des Eurotunnels: Lastwagen könnten so gleich ins Vereinigte Königreich fahren, ohne dass weitere Unterlagen an der Grenze geprüft würden.

Der Importeur müsste dann den Computereintrag innerhalb von 24 Stunden aktualisieren, um der HMRC mitzuteilen, dass die Waren eingetroffen sind, und der Zoll würde erst bis 1 Monat nach dem Eintritt der Lieferung in das Vereinigte Königreich fällig werden.
Gelten die TSP für alle Häfen?

Die TSP gelten für die RORO-(Roll-on-roll-off-)Grenzübergänge und den Eurotunnel, nach derzeitigem Kenntnisstand für die folgenden Übergänge:

  • Dover
  • Eurotunnel
  • Felixstowe
  • Fishguard
  • Harwich
  • Heysham
  • Holyhead
  • Hull
  • Immingham
  • Killingholme
  • Liverpool
  • Newhaven
  • Pembroke
  • Plymouth
  • Poole
  • Portsmouth
  • Purfleet
  • Ramsgate (noch nicht bestätigt)
  • Sheerness
  • Teesport
  • Tilbury
  • Tyne

Sind die TSP endgültig bestätigt?

Auf der Webseite gov.uk heißt es:
„Die HMRC hat die Vereinfachten Übergangsverfahren eingeführt, um Ihnen die Einfuhr von Waren aus der EU über Roll-on-roll-off-(RORO-)Übergänge wie Dover und den Eurotunnel zu erleichtern.

Die EU mit einer Vereinbarung zu verlassen, hat für die Regierung weiterhin höchste Priorität. Daran hat sich nichts geändert. Eine verantwortliche Regierung muss jedoch für alle Eventualitäten vorsorgen, so auch für ein No-Deal-Szenario. Unternehmen und Bürger sollten sicherstellen, dass sie ähnlich gut auf den Austritt aus der EU vorbereitet sind.

Die HMRC hilft den Unternehmen, sich vorzubereiten, und hat, neben anderen wichtigen Mitteilungen, die betroffenen Unternehmen dreimal angeschrieben und dabei die Ratschläge jedes Mal erweitert und die Firmen aufgefordert, tätig zu werden. Der jüngste Brief und die neuesten Empfehlungen auf gov.uk kündigen die Vereinfachten Übergangsverfahren für den Handel mit der EU an, die den Übergang erleichtern werden, insbesondere für Unternehmen, für die die Regeln in Verbindung mit dem Warenimport neu sind.“

Werden die TSP unbefristet gelten?
Wenn es sich nach dem 29. März als nötig erweisen sollte, werden die TSP 3 bis 6 Monate nach ihrer Einführung geprüft, und wenn die HMRC dann ihre Aufhebung beschließt, wird den Unternehmen eine Frist von 12 Monaten eingeräumt. Man hofft, dass dieser Vorgang und die Übergangsphase den Unternehmen genug Zeit geben wird, sich auf den Einfuhrvorgang vorzubereiten, wie er für den
Handel mit dem Rest der Welt gilt.

Wo liegen die Grenzen der TSP? Was man bedenken sollte
Wichtig ist, dass die TSP erarbeitet wurden, um einen kontinuierlichen Warenfluss aufrechtzuerhalten, sie gelten jedoch nur für die Bewegung von Waren in eine Richtung. Durch die TSP sollen vor allem Staus in den Häfen bei der Ankunft im Vereinigten Königreich verhindert werden, aber sie gelten nicht für den Export. Das bedeutet, dass Unsicherheiten in Bezug darauf bestehen bleiben, wie Waren im Falle eines harten Brexits zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU befördert werden.

Eine der wichtigsten Aspekte der ganzen Angelegenheit aber ist wahrscheinlich, sich der Folgen der TSP bezüglich der Kosten und der Zeit entlang der Lieferkette bewusst zu sein. Eine Verzögerung der Zollerklärung könnte bedeuten, dass ein Zollagent die Dokumente zwei- oder sogar dreimal bearbeiten müsste, um den Vorgang abzuschließen.

Obwohl die TSP die Vorgänge am Hafen vereinfachen und Stauungen verhindern werden, wenn Schnelligkeit wichtig ist, könnten manche Unternehmen aber besser dran sein, wenn sie eine Alternative zur Beförderung auf der Straße, beispielsweise schnelle Flugverbindungen oder Charterflugdienstleistungen, in Erwägung ziehen würden. Um das zu erleichtern, sollten die Unternehmen auch wirklich prüfen, wie stabil ihre Technologie ist, um mit einer Eventualität wie einem No-Deal-Brexit fertigzuwerden, und die Beschäftigung eines Zollagenten in Erwägung ziehen, sofern sie nicht schon einen haben.

Was machen wir jetzt?
Es gibt einige wichtige Schritte, die Sie unternehmen können, damit Sie bestimmt gut vorbereitet sind:

• Registrieren Sie sich, um Ihre EORI-Nummer zu erhalten: Sie können sich ab dem 7. Februar 2019 für die TSP registrieren. Dafür brauchen Sie eine EORI-Nummer. Die Registrierung für die Erteilung einer EORI-Nummer ist kostenlos, und das Ausfüllen des EORI-Antragsformulars nimmt nur 10 Minuten in Anspruch.
Registrieren für die TSP können Sie sich hier.
• Richten Sie ein Aufschubkonto bei der HMRC ein.
• Bereiten Sie sich darauf vor, Zollerklärungen über einen Zollagenten abzugeben. Carousel wird Ihnen in Kürze seinen Agenten empfehlen.
• Wenden Sie sich an einen Fachmann: Sind die TSP das Richtige für Sie und Ihr Unternehmen? Die Brexit-Helpline von Carousel bietet Ihnen weitere Unterstützung und Rat. Nehmen Sie Kontakt auf, um mit einem Fachmann zu sprechen.

Sie möchten mehr erfahren? Bei unserer Brexit-Helpline erhalten Sie weitere Unterstützung und Ratschläge von Experten.

Tim Deniz, Leiter des Kundenbereichs bei Carousel, sagte: „Viele Unternehmen tappen immer noch im Dunkeln, was die Abläufe betrifft, die sie nach dem Brexit und im Falle des „No Deal“ absolvieren müssen. Zwar sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Aspekte bekannt, sich eine Economic Operator Registration and Identification Number (EORI-Nummer) zuteilen zu lassen, kann für Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich aber von Vorteil sein, da so die Kontinuität der Geschäftstätigkeit aufrechterhalten werden kann, falls es nicht zu einer Vereinbarung kommt. Deshalb ist es wichtig, dass die Unternehmen jetzt handeln, um sich auf die Möglichkeit eines No-Deal-Brexits vorzubereiten.